Der Verein für Leseförderung und Kultur

Kurzgeschichten – von Allen für Alle

Vereinsmitglieder können hier auf unserer „Internet – Bühne“ eines ihrer selbstverfassten Kurzgeschichten veröffentlichen. Diese Kurzgeschichte sollte nicht länger als 1-3 Seiten umfassen.

Die Themen können sein:
Wahre, selbst erlebte Geschichten oder Phantasiegeschichten.


1. Platz der Gruppe: der 10 bis 11 jährigen Jungautoren

Das Geheimnis des Nebelsees

An einem wunderbaren Samstagmorgen ging Julia zu ihrer besten Freundin Marie. Sie wollten eine Übernachtungsparty feiern. Nicht irgendeine Party, sondern eine Übernachtung unter freiem Himmel an dem Angelsee von Maries Vater. Maries Familie war sehr reich, ihr Vater arbeitete in der Werbebranche und ihre Mutter als Schauspielerin. Maries Vater besaß den See, da er Hobbyangler war.
„Marie, komm schon! Wieso brauchst du immer für alles so lange?“
„Ist ja schon gut! Ich beeile mich ja!“
Im selben Augenblick vernahmen die Mädchen ein lautes Hupen. Maries Vater saß schon im Auto und wollte anscheinend los fahren. Er hupte ein weiteres mal und rief:„ Auf Mädels ich will jetzt los, sonst kommen wir noch in den Ferienstau!“ „ Ja ja… ist schon gut! Wir kommen schon!“ hörte Julia ihre Freundin antworten. Da kam Marie auch schon aus ihrem Penthouse und stieg in das Auto in dem ihr Vater schon wartete. Julia folgte ihr. Nach einer langen Autofahrt kamen sie an einem gepflegten Garten mit einem wunderschönen Haus an. Hinter dem Altbau, das jedoch sehr gepflegt aussah, konnte man einen See sehen. Er war nicht sehr groß nur ein bisschen größer als ein Fußballfeld. Um den See führte ein Wanderweg. Alles war grün und die Pflanzen blühten. Die Mädchen liefen gezielt auf eine besonders schöne Stelle. Eine Art Steg aus Erde und weichem Gras führte ein Stück in den See. Sie stellten ihre Zelte auf und gingen in das alte Haus, um dort ihr Mittagessen zu sich zu nehmen. Gegen Abend gingen die Mädchen an den See in ihre Zelte und schliefen ein. Da am Morgen ein besonderer Tag werde, sollten in der Nacht schon alle Planeten in einer Reihe stehen. Und am nächsten Tag sollte man die Venus besonders hell leuchten sehen. Mitten in der Nacht, als der Mond ganz hell schien, hörte Marie ein Geräusch. Sie schreckte aus ihrem Schlafsack hoch und stieß Julia am Arm an. „Was ist denn?” fragte diese schlaftrunken. „Da war irgendetwas, das ein seltsames Geräusch von sich gegeben hat!” antwortete Marie ängstlich. „Das war sicher nur dein Vater oder eure Haushälterin. Außerdem ist da eh nichts! Jetzt lass mich bitte noch ein wenig schlafen.” hörte man Julia schläfrig sagen. Auf diese Worte versuchte Marie einzuschlafen. Doch dann nach einiger Zeit fragte sie:„Du wollen wir vielleicht rein zu meinem Papa gehen und dort übernachten? Bitte!” ”Also gut!” sagte Julia müde.
Als sie im Haus waren und es sich auf der Couch bequem gemacht hatten, versuchten sie erneut einzuschlafen. Doch dann sagte Marie im Flüsterton:„Was ist das schon wieder? Guck dir das mal an!” Im Bücherschrank von Maries Vater sahen sie ein dickes Buch, das matt leuchtete. Julia stand auf und zog das Buch aus dem Regal. Sie brachte es zu Marie, zusammen öffneten sie es. Sie sahen Abbildungen von elfenartigen Geschöpfen, die alle ein wenig anders aussahen. Manche waren bunt und wundervoll geschmückt, andere jedoch ganz schlicht und weiß. Sie sahen einen Brief, der aus einer Seite des Buches herausfiel. Marie öffnete ihn langsam an einer Stelle, die schon offen war.
In dem Brief stand etwas in einer anderen Sprache und in einer wunderschönen geschwungenen Schrift. Sie konnten nur den Namen vom Vater von Julia lesen. „Was hat
das mit deinem Vater zu tun?” fragte Julia. In diesem Augenblick kam Maries Vater herein

und sah die Mädchen verwundert an. „Was macht ihr denn hier?” fragte er noch etwas müde. „Marie sah ihren Vater misstrauisch an und fragte:„ Was hat es mit diesem Brief auf sich? Und wieso hat das Buch vorhin geleuchtet?” „Also gut…” antwortete ihr Vater „…dein Opa, also mein Vater kannte ein Volk, welches tief in unserem See wohnt. Das Volk nennt sich Engel. Mein Vater hatte damals viele Freunde dort. Ich bin quasi dort groß geworden. Ich kannte alle aus dem Volk. In dem Brief steht noch, dass der See nun mir gehört das Volk benötigt eine Tarnung, da es besondere Wesen mit Flügel und außergewöhnlichen Fähigkeiten sind, werden sie von Leuten gejagt, die denken, dass es sie gibt. Es aber nicht hundertprozentig wissen. „Und das Buch?” fragte Marie neugierig „Oh das Buch! Das ist ein Abschiedsgeschenk von dem Volk für mich. Alle Bilder, die ihr seht, sind selbstgemacht und alle Texte selbst geschrieben. Darauf legen sie großen Wert. Aber Mädchen – das sagt ihr bitte keinem – sonst sind hier alle verloren.”
Plötzlich knallte etwas, eine Tür wurde aufgestoßen und Männer kamen herein. Sie hatten einen Betäubungspfeil in der Hand. Ein dicker Mann mit dunkler Stimme sagte: „Gebt uns diese Elfen und euch passiert nichts!” „Was für Elfen?” Fragte Marie neugierig gespielt. „Spiel hier nicht die Unschuldige. Also gebt uns das Elfen-Volk! Wir geben euch noch ein wenig Zeit zum Überlegen! Kommt Männer suchen wir draußen weiter!”
Als die Männer endlich wieder draußen waren, fragte Marie erschreckt und besorgt:„ Wir müssen den Armen Elfen und Engeln helfen. Nur wie?” „Ganz einfach! Wir müssen sie einfach nur davon überzeugen, dass wir das Volk nicht beschützen und auch nicht in unserer Verwahrung haben” sagte Julia etwas vorlaut. „Wenn das nur so einfach wäre.” Antwortete Maries Vater. „Wir werden sie nicht im Stich lassen. Das ist klar!” rief Marie „Ihr habt beide Recht… Aber halt! Ich hab eine Idee! Was haltet ihr davon, wenn wir irgendwie versuchen Kontakt zu den Dorfbewohnern aufzunehmen. Es sind ja Wesen mit besonderen Fähigkeiten. Sie sind so weise und ruhig, dass sie es schaffen könnten, per Gedankenübertragung den Männern klar zu machen, dass es sie nicht gibt …auch wenn sie trotzdem Existieren. Wenn sie sich alle auf einmal konzentrieren, müsste es klappen!” Sagte der Vater hoffnungsvoll. „Du Bist ein Genie Papa!” Jubelte Marie und Julia lächelte überglücklich. Doch die Miene ihres Vaters verdüsterte sich schnell wieder. „Marie, Julia es gibt aber trotzdem einen Haken und zwar, dass ich keine Idee habe, wie wir das Volk benachrichtigen können.” „Die müssen doch irgendwas wie ein Telefon oder Handy haben. Oder wie verständigen sie sich sonst über die Weite?” Fragte Julia verständnislos. „Du bist toll, ihr seit toll! Ich weiß endlich eine Lösung. Das Wasser ist für sie ja wie die Luft. Der See ist auch etwas ganz besonderes er wird auch Nebelsee genannt, da sich das Wasser anfühlt wie Nebel. Aber nur unter der Oberfläche! Und die Elfen verständigen
sich, in dem sie Schläge oder leise Töne durch den Nebel weitergegeben. Wir müssen nur aus dem Haus heraus an den See! Nur wie stellen wir das an?” „Also gut ich hab’ einen Plan…” begann Julia zu erzählen „…wenn ich raus gehe und so tue als würde ich ihnen zeigen wollen, was wir entschieden haben und wo sie sind, könnte ich sie ablenken. Ihr schleicht hinten aus dem Haus heraus und geht dann an den See. Ihr schlagt in das

Wasser und hofft, dass die Engel herauf kommen. Dann macht ihr sie mit dem Plan und der Gefahr vertraut. Wenn alles gut geht, dann schaffen wir es.” „Ich weiß nicht! Deine Eltern und ich möchten nicht, dass dir etwas passiert!” Sagte Maries Vater besorgt. „Und ich möchte nicht, dass den Elfen etwas passiert!” Meinte Julia entschlossen. Marie nickte und stimmte ihr zu:„Sie hat Recht. Es ist zwar riskant aber du trägst die Verantwortung für dieses Volk und somit auch ich … sie brauchen uns jetzt! Wenn wir noch länger warten, finden die Männer das Volk vielleicht von alleine!” „Also Gut ihr habt mich überzeugt aber seid bitte ganz vorsichtig!” Auf diese Worte machte sich Julia auf den Weg. Sie ging heraus und näherte sich einer Art Lager das die Männer aufgeschlagen hatten. Die Wächter, die sich um das Haus gestellt hatten, folgten ihr siegessicher. Als Julia im Lager war und wie ein Wasserfall redete, schleichten sich Marie und ihr Vater aus dem Haus. Sie liefen noch ein Stück und waren schon an dem See angelangt. Sie schlugen so kräftig wie sie konnten in das Wasser. Doch es tat sich nichts bis Marie einmal verzweifelt in das Wasser schlug mit der Bitte, dass sich jemand meldet. Da kam etwas aus dem Wasser, das ein wundervolles Kleid trug. Das Wesen lächelte Maries Vater an und fragte, was sie für ihn tun könne. Maries Vater erzählte die Geschichte im Flüsterton. Das Geschöpf hörte erst schweigend zu und sagte dann mit sanfter Stimme: „Ich werde eure Idee weitergeben an die Dorfbewohner.” Und mit diesen Worten lief das Wesen zurück in den See. Als die zwei zurück wollten packte sie jemand grob am Kragen und führte sie zum Lager. Dort saß Julia gefesselt und bewacht am Boden. Marie und ihr Vater wurden ebenfalls dazugesetzt aber nicht gefesselt sondern festgehalten. Einige Zeit später wurden ihre Ohren auf ein mal Taub und sie hörten ein lautes piepen. Nach kurzer Zeit, die allen aber wie eine Ewigkeit vorkam, hörte es auf. Der Mann, der sie festhielt runzelte die Stirn. Dann lies er sie los. Er entschuldigte sich und meinte, dass er nicht wüsste, was er gerade machte. Als sie nun alle merkten, dass es allen Männern so ging. Sagte Maries Vater:„Bleibt hier und passt auf, dass keiner verschwindet. Euch kann nichts passieren!” Maries Vater rannte in das Haus hinein und kam auch gleich wieder heraus. Nach einer weile, in der sich die Männer nur umsahen, ertönten Sirenen der Polizei!
Sie führten die Männer ab und diese kamen in das Gefängnis wegen Hausfriedensbruch und Freiheitsberaubung sowie Geiselnahme von zwei Kindern und eines Erwachsenen. Da sich aber die Männer an nichts erinnern konnten, wurden sie für verrückt gehalten und kamen in ein Kurhaus für Geisteskranke.
Den kompletten nächsten Vormittag schlief das müde Trio aus. Und am Nachmittag hörten sie sich folgende Dankesworte an, die von dem Anführer des Volkes stammte.
„Wir haben uns heute hier versammelt, um unseren Helden zu danken, dass sie uns gewarnt und nicht verraten haben und dass sich alle in große Gefahr begeben haben. Ihr seid jederzeit Willkommen.” Den restlichen Tag feierten sie und aßen außergewöhnliche Köstlichkeiten, die das Volk der Engel selber zubereitet hatten. von Lydia Steiner (11)

1. Platz der Gruppe: der 12 jährigen Jungautoren

Black out!

“ Mika, Mika oh Gott Mika.” Jemand schreit aber warum? Mit mir ist nichts, warum schreit der Typ so und hindert mich am schlafen? Es ist doch alles gut ich bin nur müde. “Mika, bitte wach auf. Das kann doch nicht wahr sein, Luis hilf uns doch mal. Mika liegt hier und wacht nicht auf. Ruf einen Krankenwagen. “, schreit eine Frau. Auch diese Stimme kommt mir bekannt vor, aber warum ist sie so hysterisch? Ich versuche die Augen zu öffnen aber es gelingt mir nicht, sie sind so schwer. Ich will schlafen warum lassen sie mich nicht schlafen? “Mika “, ruft jemand ist das dieser Luis? Ich kenne die Stimme und den Namen und sehe ein Bild vor mir von einem großen gutaussehenden Jungen mit grau blauen Augen und dunkelblonden Haaren. Jetzt fällt es mir wieder ein, Luis ist mein Freund. “Mika “, ruft er und schüttelt mich, “Wach auf bitte.” Wieder versuche ich die Augen zu öffnen und schaffe es, aber ich kann nichts erkennen nur Umrisse. Die Frauenstimme sagt:” Ihre Augen sind offen Luis, Chris, Ivy ihre Augen sind offen sie wacht auf.” Mein Kopf dröhnt, das gute Gefühl von vorhin ist weg. Meine Zunge fühlt sich ganz taub an, ich bekomme sie nicht hoch. Ich will sprechen aber es geht nicht. Langsam wird das Bild vor meinen Augen schärfer und ich sehe zwei Mädchen und zwei Jungs. Das eine Mädchen ist groß, hat braune Augen, schwarze Haare und dunkle Haut, instinktiv weis ich, dass das Ivy ist. Ich kann mich an sie erinnern sie ist meine beste Freundin. Das andere Mädchen ist das genaue Gegenteil. Sie ist eher klein, hat hellbraune Haare, blaue Augen und ist hellhäutig. Ich bin mir nicht sicher aber ich glaube sie heißt Ella und ich bin auch mit ihr befreundet. Der Junge, der nicht Luis ist, muss Chris sein. Er ist schlaksig, mit grünen Augen, rot braunen Haaren, heller Haut und einer Brille. Ich glaube er ist älter als ich, ich bin 14. Ihn würde ich auf um die 19 schätzen. Im Gegensatz zu den anderen, kommt er mir nicht so richtig bekannt vor, eher wie jemand den man mal auf der Straße sieht, den man aber nicht richtig kennt. “Mika hörst du mich? Sprech doch mit mir, der Krankenwagen ist gleich da. Erkennst du uns?”, das ist Ella. Ich will ihr antworten und bekomme ein leises Ja über die Lippen. Ich höre wie die vier erleichtert aufatmen, als sie mich sprechen hören, aber vielleicht liegt das auch daran das eine Sirene erklingt. Ein Motor stoppt, Füße laufen auf Asphalt. Ich werde hoch gehoben und auf eine Trage gelegt. Jemand fragt mich nach meinem Alter, meinem Namen und meiner Adresse. Ich antworte stotternd : “Mika Greisert, 14, Kirchstraße 24 in Frankfurt.” Ein Mann fragt wegen Geschlecht, Augen- und Haarfarbe, ich verstehe nicht warum, das sieht man doch. Als ich schon den Mund öffnen will kommt mir Ivy zuvor “Sie ist weiblich, hat blaue Augen und blonde Haare.” Der Motor startet und ich spüre einen Pieks in der Hand, als ich erstaunt auf meine Hand sehe und die mit Blut gefüllte Spritze bemerke werde ich ohnmächtig.

Als ich aufwache liege ich in einem Bett, jemand hält meine Hand. Ich öffne die Augen und sehe meine Eltern, die besorgt auf mich herab sehen. “Mama, Papa?”, flüstere ich, erst jetzt bemerken sie das ich wach bin. Dann sagt meine Mutter: “ Mika wie geht es dir Schatz? Dein Vater und ich machen uns solche Sorgen, was ist passiert?” ich versuche mich zu erinnern, als eine Krankenschwester das Zimmer betritt. Ich bemerke das ich im Krankenhaus bin. “Sie ist wach, was machen sie jetzt mit ihr?”, das sagt meine Vater. Die Krankenschwester antwortet :” Erstmal nichts weiter. untersucht wurde sie bereits, deswegen muss der Arzt übrigens noch einmal mit ihnen reden, er hat etwas sehr Schlimmes gefunden. Das sollte ihre Tochter aber erst hören wenn sie ganz ansprechbar ist und nicht mehr unter Schock steht. Jetzt sollte Mika aber noch ein wenig schlafen, sie ist ja noch ganz blass. Nun müssen sie leider gehen, ihre Tochter braucht ihre Ruhe.” Ich sehe wie meine Eltern den Raum verlassen, schließe die Augen und lass mich in den Schlaf fallen.
Am nächsten Morgen wache ich davon auf das ein Handy klingelt. Ich öffne die Augen und sehe Ivy, Ella, Chris und Luis an meinem Bett stehen. Außerdem steht dort noch die Krankenschwester von gestern. Ich sehe wie sie Ivy böse Blicke zu wirft, weil ihr Handy geklingelt hat. Als Luis bemerkt, dass ich wach bin fängt er an zu lächeln und sagt :”Na Mika, wie geht es dir? Was machst du bloß für Sachen. “ “ Gut, zumindest besser als gestern Abend, aber was ist passiert? Ich kann mich an nichts erinnern.” ,antworte ich. Ivy, die bisher nur stumm in der Ecke gestanden hat, kommt langsam auf mein Bett zu. “Wir, wir waren auf Flo´s Geburtstags party und haben Alkohol getrunken viel Alkohol, wir waren alle völlig besoffen und na ja Ella, du weist ja wie sie ist, hat nichts getrunken sie, sie wollte uns heimfahren, aber du warst weg. Ich und Luis haben uns Sorgen gemacht. Aber Chris hat uns erzählt…” “Wer ist eigentlich dieser Chris ich kenne ihn nicht?”, fragte ich sie. “ Er ist auf unserer Schule, in der 13. Flo hat ihn auch eingeladen, die beiden kennen sich aus dem Basketballteam. Auf jedenfall hat er gesagt das du vor einer Stunde gegangen bist. Ein paar Stunden später haben wir dich auf dem Parkplatz gefunden.” Ich glaube ihr, aber versuche doch mich an gestern Abend zu erinnern. Leider sehe ich nur einzelne Bilder, die ich nicht deuten kann. Einen Drink, eine Hand die mich in ein Zimmer ziehen will und natürlich den Parkplatz, doch mehr nicht nur diese drei Bilder. Die Krankenschwester reist mich aus den Gedanken. “ Jetzt alle Mann raus, Mikas Eltern müssen ihr etwas sagen und da bei brauchen sie keine anderen Leute im Zimmer. Also raus.” Meine Freunde verlassen das Zimmer, aber das interessiert mich nicht, dennoch verstehe ich nicht was diese Frau mit schlimmer Nachricht meint. Was ist gestern Abend passiert? Die Tür geht auf und meine Eltern kommen rein, meine Mutter hat ein ganz verweintes Gesicht und mein Vater sieht wütend aus. Ich sage :”Mama, Papa was ist los, was ist gestern passiert, was wollt ihr mir sagen ?” Meine Mutter schaut mich mit rot verweinten Augen an “Mika du wurdest gestern Abend unter Drogen gesetzt und, und du wurdest……… missbraucht. Mika es tut mir so Leid es ist alles meine Schuld ich hätte dich nie auf diese Party gehen lassen dürfen ich…” Ihre Stimme bricht ab und sie fällt mir um den Hals. Ich bin wie erstarrt und kann mich nicht rühren. Tränen rollen über meine Wangen und ich fange an zu schluchzen. Die Krankenschwester kommt rein und redet beruhigend auf meine Mutter ein während mein Vater mich tröstet. Wie betäubt sehe ich, wie sie meine Eltern aus dem Zimmer führt und dann wieder zu mir herein kommt. Sie tröstet mich und fragt ob ich wissen will was sie in meinem Blut gefunden haben. Ich bejahe die Frage und höre ihrer Aufzählung zu: 0,9 Promille Alkohol und K.O.- Tropfen. Wieder rollen mir Tränen übers Gesicht. Ich frage sie, woher sie wissen das ich vergewaltigt worden bin. Sie antwortet das ich Wunden und einrisse an meinen Intimstellen hatte und Blutergüsse am ganzen Körper. Bei all diesen Spuren wäre es unmöglich, dass das alles einvernehmlich war. Die fremden DNS spuren wurden auch gerade von der Polizei untersucht. Ich sage, das ich jetzt ein bisschen allein sein will und sie verlässt das Zimmer. Ich versuche mich zu erinnern was gestern geschehen ist. Lange sehe ich immer nur die drei Bilder. Mein Mut schwindet und ich will schon aufgeben, als ich mich plötzlich wieder an alles erinnere, es ist, als hätte jemand die Blockade in meinem Kopf gelöst. Es ist schlimm was ich sehe, als ich den gestrigen Abend ein weiteres Mal durchlebe. Jemand zieht mich in ein Hinterzimmer ich kann mich nicht bewegen, es ist als wäre ich eine Puppe. Ich merke, wie jemanden mir den Händen unter mein T-Shirt geht, wie er mich begrabscht und mir danach das Shirt, den BH, die Hose und die Unterwäsche auszieht. Danach werde ich Gott-sei-Dank ohnmächtig. Als ich mich dazu bereit fühle, rufe ich nach der Krankenschwester und erzähle ihr an was ich mich erinnert habe. Sie ist genauso geschockt wie ich, denn der Junge der mir das angetan hat ist mein Freund Luis.

1 Monat später

Vor zwei Wochen war der Gerichtstermin, Luis hat alles gestanden. Er hat sogar erzählt wo er die K.O. Tropfen her hatte. Offenbar war er, kurz bevor wir zu Flo gegangen sind, zu mir gekommen und hat versucht mich zu überreden mit ihm zu schlafen. Ich wollte das noch nicht, es war mir zu früh und er ist sauer geworden dann habe ich mit ihm Schluss gemacht. Er war mir einfach zu aggressiv. Danach ist er zu Chris gefahren und hat im Geld gegeben, damit er ihm K.O. Tropfen verkauft, mit denen er beim Basketballtraining geprahlt hat. Das tat Chris auch. Später auf der Party hat er mir dann die K.O. Tropfen in einen Drink gemischt, gewartet bis ich umkippe und mich dann in ein hinter Zimmer geschleppt um mich dort zu missbrauchen. Chris hat ihm ein Alibi gegeben, während er mich auf den Parkplatz geschleppt hat und dann wieder rein ging. Luis und Chris, beide wurden verurteilt Chris wegen Verstoß gegen das Betäubungsmittel Gesetz und Mithilfe an einer Straftat. Luis wegen sexuellen Missbrauchs, Verstoß gegen das Betäubungsmittel Gesetz und Körperverletzung. Chris hat 6 Monate auf Bewährung bekommen und Luis 300 Sozialstunden, wegen dem Jugendstrafgesetz. Ich habe Luis seit dem Prozess nicht mehr gesehen und ich bin froh darüber. Er hat mir zwar versichert, das es ihm leidtut, aber ich kann ihm einfach nicht vergeben. Meine Eltern haben mir angeboten aus Frankfurt wegzuziehen, aber das will ich nicht. Meine Freunde sind hier. Natürlich werde ich Luis irgendwann über den Weg laufen, wenn ich hierbleibe aber das Risiko muss ich eingehen. Ich kann Ella und Ivy ja nicht allein lassen. Chris hab ich mal wiedergesehen, in der Schule, er ist aus dem Basketballteam ausgestiegen und ist sonst auch nicht so oft in der Schule, ich glaube, das was er getan hat, tut ihm Leid. Immer wenn er mich sieht, senkt er den Kopf und geht schnell weg. Ich glaube er ist froh, wenn er sein Abi gemacht hat und weg aus Frankfurt ist. Ich weiß nicht, wie ich mich ihm gegenüber verhalten soll. Klar vergebe ich ihm nicht aber ihm sieht man, im Gegensatz zu Luis, wenigstens an das es ihm leidtut. Ich bin erst 14, aber meine Erlebnisse sind wahrscheinlich härter als die von manchen Erwachsenen. Das Ganze hat mich stärker gemacht, das ist das einzige Gute daran. von Hannah Kaeser (12)

1. Platz der Gruppe: der 13 bis 14 jährigen Jungautoren

And I drowned in Peace…
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Siehst du die Wellen? Wie sie sanft an die Klippen brechen und sich wieder
zurückziehen? Wie sie aufschäumen? Hörst du das wilde Rauschen? Spürst du den
leichten Sprühregen an deinem Gesicht? Fühlst du diese schöne Ruhe. Oder das
leichte Peitschen vom Wind?
Ich tat das alles. Ich sah, hörte und spürte es. Ich sah hoch zum Mond, fahl fiel er auf
mein Gesicht. Tauchte mich in ein außergewöhnliches Silber. Und so wie ich hoch
zum scheinenden Mond sah, erinnerte ich mich zurück an kleine Sachen. Und
schloss meine Augen. Die erste Erinnerung kam.
Ich erinnerte mich an den Tag, als ich noch ganz klein war. Ich glaube, ich war drei.
Da waren meine Familie und ich auf dem Flug nach Griechenland. Im Flugzeug
musste ich unbedingt auf die Toilette, aber ich hatte Angst vor den Toiletten auf den
Flugzeugen, weil ich dachte, sie würden mich einsaugen. Und so hatte ich auf den
Sitz gepinkelt. Wir waren am Ende aus dem Flugzeug geflüchtet.

Und die zweite Erinnerung.

Einmal, da hatte ich einen riesengroßen Streit mit meiner Mutter morgens, bevor ich
zur Schule ging. Ich ging weinend zur Schule, und als ich aus der Schule
zurückkam,
hatte ich Angst meiner Mama gegenüber zu stehen. Aber als ich vor ihr stand mit
dem Gesicht zum Boden gewandt, zu verängstigt um zu ihr zu gucken, nahm sie
mich einfach in ihre Arme und entschuldigte sich, ich entschuldigte mich auch.
Ich erinnerte mich an kalten Tagen, wo es draußen Schneesturm gab und ich mit
einem Kakao in einer Decke eingehüllt war und ein Buch las.

An Tanzen im Regen. Schmetterlinge auf meinen Fingern. Lautstarkes Lachen
wegen meiner Tollpatschigkeit. Meinen ersten Kuss. Meine erste Liebe und meine
Letzte.
Ich erinnerte mich daran, wie meine Mama meine Lieblingsspeise machte und ich
vor
Freude auf und ab sprang. Es waren Giouvarlakia, das leckerste Gericht in ganz
Griechenland.
Ich erinnerte mich, wie mein großer Bruder manchmal etwas für mich gemacht hatte.
Da war ich dann immer so glücklich. Oder wie meine Mitschüler meine Bilder in
Kunst bestaunten, da hatte ich immer diesen aufwallenden Stolz auf mich. Dachte,
ich wär doch zu etwas gut.
Ich umarmte immer sehr gerne meinen Papa. Er war wie ein riesengroßer Teddybär.
Es waren immer diese Umarmungen, die einen vor alles beschützten.
Meine Mama war immer so stolz auf mich, wenn ich etwas Gutes gemacht hatte.
Und ich erinnere mich an die sanften Berührungen von ihm.
So viele schöne kleine und große Momente und Erinnerungen.
Und jetzt stand ich hier, weil ich enttäuscht war. Von ihm. Noch einmal sah ich
hinunter. Die Wellen hatten einen silbernen Glanz vom Mond, so wundervoll
unheimlich.
Ich zog meine Jacke aus. Dann meinen Pullover, meine Hose… bis ich vollends
ausgezogen war. Außer der Kette, die er mir an meinem Geburtstag geschenkt hatte.
Ich stellte mich an den Rand der Klippe. Fühlte die sanfte warme Brise. Lauschte zur
Melodie vom Meer. Beruhigte mich. Jetzt sollte eigentlich ein Mann daher kommen
und mich davon abhalten zu springen, so wie in den Büchern. Oder noch besser,
er sollte kommen. Ich machte mich bereit, stellte mich in die Hocke, streckte meine
Arme aus, nahm tief Luft… und sprang.
Die Luft zischte an mir vorbei, ich flog, wie ein Komet. Blaue Schmetterlinge.
Und ich fiel. „Ich liebe dich.“ Und fiel. Lachte. Fiel.
„Du bist meine verrückte kleine Prinzessin!“ Durchbrach mit meinem Kopf die
Wasseroberfläche.
Tauchte ein.
„Wovon redest du?“
„Dass ich glaube, wenn man keine Gründe hat auf dieser Welt zu leben,
sollte das Leben einfach aufhören.“
„Ich verstehe dich nicht.“
„Sollte ich keinen Sinn in meinem Leben mehr sehen, würde ich es beenden.“
„Du meinst, Selbstmord?“
„Ja, es ist die einfachste Art, dem Leid ein Ende zu setzen.“
Das sagte ich zu ihm in unserer ersten Liebesnacht. Und ich hätte nie gedacht,
dass es so weit kommen würde. Und jetzt geschah es. Die Wellen umarmten mich.
So sollte man sterben, friedlich und ohne Schmerz. Mit Erinnerungen. Schönen
Erinnerungen.
Es gab früher mal Sinn in mein Leben, als er noch da war. Ich öffnete meine Augen,
sah das Schwarze von dem Meer. Ob er wohl weiß, was er in mir angestellt hat. Ich
glaube nicht.
Ob er wohl weinen würde, wenn er erfahren würde, dass ich tot bin. Ob meine
Familie weinen wird?
Weiß ich nicht.
Ich spürte, wie ich weiter sank. Warm. Ich sah, wie mein schwarzes Haar um mich
herum tanzte. Fantasievoll. Ich hatte früher gern diese Reihe von dem einen
Zauberer und dieser Zauberschule gelesen. Da konnte man in eine andere Welt
eintauchen.
Die Luft zischte aus meinen Lungen. Er meinte, ich wäre wunderschön.
Jedes Mal, wenn er das sagte, wurde ich rot.
Soll ich ehrlich sein, ich liebe ihn immer noch. So sehr. Langsam wird alles taub.
Meine Lungen füllen sich mit Wasser. Und ich fühle mich komplett. Denn, jetzt sah
ich ihn.
Seine ganze Perfektion. Sein weiches braunes Haar, seine unglaublichen braunen
Rehaugen,
sein markantes Kinn, die sinnlich geschwungenen Lippen, seine Wimpern,
die wie Fächer waren. Und diesen Hass in seinem Gesicht. Es tut mir leid.
Und schloss meine Augen. Es war alles so schön schwarz. Und ich tauchte in die
Schwärze.
Immer tiefer. Umhüllte mich von ihr. Und verschwand für immer. Tschüss.
Für immer. Und ich ertrank in Frieden… von Irini Michali (14)
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1. Platz der Gruppe: der 14 bis 16 jährigen Jungautoren

Die Bibliothek der Erinnerungen

Es war dunkel geworden und die meisten Menschen schliefen schon längst. Nein
noch nicht alle. Ein Mädchen, ist aufgeblieben und erlebte gerade etwas, das ihr
Leben verändern wird.

Es war eine ganz gewöhnliche Nacht. Joleica hatte sich rausgeschlichen, denn sie
wollte sich mit ihrem Freund treffen. Sie war gerade dabei durch den Wald zu laufen,
um pünktlich am Treffpunkt zu sein. Ihr Freund hatte gestern gesagt, dass sie sich an
der Lichtung vor der Höhle im Wald der Nachtwesen, um zwölf Uhr Mitternacht
treffen und sie hatte keine weiteren Fragen gestellt. Ihr Freund wählte immer
mysteriöse Orte. Dieses Mal schien es aber irgendwie seltsam. Leider bemerkte
Joleica nicht, dass an der ganzen Sache etwas nicht stimmte. Ihr Freund, hatte ihr
nicht gesagt wie sie dahin kommen konnte und jetzt wo sie mitten im Wald stand fiel
ihr ein, das sie gar nicht wusste wo der Ort lag, an dem sie sich treffen wollten.
Joleica verfluchte sich selbst, gab aber nicht auf und lief einfach weiter durch den
Wald, in der Hoffnung den Treffpunkt zu finden. Plötzlich hörte sie ein eigenartiges
Geräusch, es klang wie ein Schnauben, es schien direkt hinter ihr zu sein. Sie blieb
stehen und lauschte, aber sich umzudrehen, wagte sie nicht. Sie spürte wie sich ein
kaltes Etwas auf ihre Schulter legte, Panik stieg in ihr hoch, aber sie schaffte es
dennoch ruhig zu bleiben. „Wieso streifst du so allein durch den Wald der Wesen?
Suchst du etwas? Wenn es so ist, dann sollte ich dich besser auf deinem weiteren
Weg begleiten und dir helfen, wenn nicht würde ich dir raten sofort zu verschwinden.
Aber eins lass dir gesagt sein mit mir bist du sicherer.“ Die Stimme klang krächzend
und kratzend, wie eine Krähe spricht. Joleica überlegte kurz und dann antwortete sie:
„Gut, sie können mir beim Suchen helfen“, aber so ganz sicher ob dies die richtige
Entscheidung war, war Joleica nicht. Das erinnerte sie an ihre Mutter, die immer
gesagt hatte: „ Manchmal muss man eben Entscheidungen treffen, die Wahl kann dir
keiner abnehmen.“ Joleicas Mutter war bei einem Autounfall gestorben und seitdem
zog sie sich immer mehr zurück. Deshalb ist sie oft allein und wird gemobbt, weil sie
anders ist. Aber vor ein paar Tagen hat sie jemanden kennenlernte, der sie zu
verstehen schien, dieser jemand war genau die Person die sie jetzt suchte, aber
nicht fand. Die Stimme des Wesens riss sie aus ihren Gedanken, „Gute
Entscheidung meine Süße ich hätte genau dasselbe getan wie du.“ „Also gut, dann
bring mich doch bitte auf die große Lichtung vor die Höhle.“ „Sehr wohl meine Süße.“
Die Redensweise und der Gedanke sich von diesem Wesen führen zu lassen
missfiel Joleica, aber es gab kein andere Möglichkeit, wenn sie den Ort jemals finden
wollte. Das Wesen schob sie vor sich her durch Büsche und Sträucher, die
gespenstische Schatten warfen. Endlich standen sie auf einer Lichtung. Vor Joleica
tauchte der Mond ein großes Monument eines Mädchens in gleißendes Licht. Joleica
war überrascht, denn sie hatte bis jetzt nur Gerüchte gehört und dass diese Gerüchte
wahr waren, verblüfften sie. „Das ist nicht der Ort den ich gesucht habe“, sagte
Joleica enttäuscht. Sie drehte sich um und erschrak fast zu Tode. Der, der sie zum
Monument geführt hatte und jetzt vor ihr stand, war kein Wesen, es war ihr Freund.
Er hatte sich verändert, er sah aus wie ein Wesen der Nacht. Seine Augen waren
grünen funkelnd und sein Körper, glich der einer Tanne, nur das diese Tanne noch
Hände wie ein Mensch hatte. Joleica war sprachlos und bevor sie sich versah, hatte
der Tannenjunge sie schon fest in seinem Griff. Seine Stimme war nun mehr die
eines Mädchens, säuselnd wie der Wind. „Du hättest mir nicht vertrauen sollen. So
eine Schönheit wie dich der Erde auch nur ein paar Minuten zu stehlen, ist eine
schändliche Aufgabe.“ Joleica wurde in die Mitte der Lichtung zu dem Monument
gezerrt, sie versuchte sich zu wehren, aber ihre Hiebe gingen ins Leere. Joleica
bekam Panik und rief verzweifelt um Hilfe. Es nützte alles nichts. Sie spürte den
kalten Stein des Monumentes hinter sich, sie schloss die Augen und betete. Der
Druck ließ nach, sie konnte sich nicht mehr bewegen. Als sie die Augen öffnete,
stand ihr Freund noch vor ihr, er hielt jetzt ein Messer in der Hand. Sie stammelte:
„Aber wieso?“ „Du wirst es schon noch verstehen.“ Mit diesen Worten fügte er ihr
einen kleinen Schnitt an der rechten Wange zu. Joleica spürte das Blut an ihrer
Wange herunter laufen. Der Junge sah ihr jetzt tief in die Augen, sie hatten sich
verändert, sie waren nicht mehr grün sondern tiefblau. Joleica vergaß den Schnitt
und gab sich dieser neuen Augenfarbe hin. „Komm mit folge mir“, sagte er. Joleica
folgte ihm eine Treppe hinunter, die vor dem Monument aufgetaucht war. Sie führte
hinunter in einen langen Gang, der sich am Ende in eine große Halle öffnete.
Darüber lag eine riesige Kuppel. Es war staubig und roch modrig. In der Mitte des
Raumes stand ein Kreis aus Tischen, die mit Gold verziert waren. Ringsum
erstreckten sich Regale, die bis unter die prachtvolle Kuppel des Raumes mit
Büchern gefüllt waren. Ihr Freund begleitete sie in die Mitte des Tischkreises. Dort
sackte Joleica auf die Knie und verharrte. Er verschwand und der ganze Raum
wurde in ein helles Licht getaucht. Joleica wurde geblendet. Als sie diesmal die
Augen wieder öffnete, war sie von Menschen umgeben, die in Büchern blätterten und
lassen. Joleica erstarrte, vor ihr stand ihre Mutter, wie konnte das sein, wenn sie vor
acht Jahren gestorben war. Die liebevolle Frau die sie verloren hatte beugte sich nun
über sie und lächelte. Sie half Joleica auf und nahm sie in den Arm. Der Schnitt an
ihrer Wange verschwand wie von Zauberhand. Doch bevor sie fragen konnte ergriff
Joleicas Mutter Judith das Wort. „Mein Schatz ich weiß es gibt viele Fragen zu
beantworten, aber ich will dass du weißt, das ich dich von Herzen liebe. Wieso lässt
du dich denn immer von den anderen einschüchtern? Dumme Fragen über mich
musst du nicht beantworten, es tut mir immer weh wenn ich dich von oben so
niedergeschlagen sehe. Sei stark, ich bin immer bei dir, nur kannst du mich nicht
sehn. Sieh mal da drüben, dass ist die Mutter von Bob. Sie ist auch schon gestorben,
nur spricht er nicht darüber. Bob verarbeitet es in dem er andere, die anders sind
hänselt.“ Ihre Stimme war so zart und weich, Joleica genoss jedes Wort. „Oh Mama,
ich wünschte ich könnte bleiben.“ „ Hör mir gut zu, wenn du dich an diesen Vers
erinnerst, kannst du diesen Ort hier jederzeit wiederfinden und Zutritt erlangen. Ich
werde immer für dich da sein und deine Fragen beantworten. Wenn der Wind weht
sanft in Mondesnacht dann gib auf der Monumentenlichtung Acht: , ein kleiner
Schnitt und du musst weinen, dein Liebster wird gleich bei dir sein.“ Damit schwand
das Bild ihrer Mutter und Joleica fand sich in ihrem Bett wieder. In dieser Nacht
träumte sie von vielen schönen Gesprächen mit ihrer Mutter an diesem Ort. Am
nächsten Morgen als Schule angesagt war, war sie zwar erschöpft, hatte aber keine
Angst wie sonst immer. Sie war glücklich. Den Vers hatte sie zweimal
aufgeschrieben, einmal für sich und für Bob, der immer so gemein zu ihr war und sie
mobbte. Ihr Vater war total verwundert, stellte aber keine Fragen über die
Fröhlichkeit seiner Tochter, stattdessen freute er sich mit ihr.

In der Schule kam Bob in der Pause wie immer mit seiner Gang herüber, um seine
Sprüche zu klopfen. Bevor Bob aber etwas sagen konnte zog sie den Zettel mit dem
Vers aus ihrer Hosentasche: „Hier das ist für dich, er wird dir helfen über den Verlust
deiner Mutter hinweg zu kommen; Anfangs wirst du es nicht verstehen, aber die
Bedeutung wird dir noch klar.“ Mit diesen Worten überreichte sie ihm den Zettel,
schenkte ihm ein Lächeln und ging zu den anderen Mädchen ihrer Klasse um mit
ihnen zu reden.

Seit diesem Erlebnis, war sie mutiger und fröhlicher. Und ihre Mutter besuchte sie in
der Bibliothek ihre ganze Kindheit hindurch bis heute. Ab und zu nimmt sie auch Bob
mit. Mittlerweile ist sie mit ihm verheiratet und hat zwei Kinder: Judith, die elf Jahre
zählt und Bettina, die zehn Jahre alt ist. Zusammen sind sie Familie Marisson. von Anne Herd (16)